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4.5.2020: Kollateralschäden durch Covid19

Prof.Hrabcik

Webinar covid19 4.5.2020 Kollateralschäden durch Covid19

Fachgebiete und Referenten :

Kardiologie Prof.Laufs Leipzig

Allgemeinmedizin Prof.Gesenhues Essen

Orthopädie /Unfallchirurgie Prof. Günther Dresden

Neurologie Prof. Grond Siegen

Psychiatrie Prof. Braus Wiesbaden


Moderation Prof.Ell und Prof.Sarrazin Wiesbaden

1; Kardiologie In 20% der schweren Fälle kommt es zu einer kardialen Mitbeteiligung (Troponin Erhöhung). Für diese Patienten bedeutet das ein Risiko von 60% Sterblichkeit
Als Negativ Effekte zeigt sich in ersten Studien A 40% weniger diagnostizierte und aufgenommene Infarkte USA: deutliche Abnahme von STEMI-alarmierungen I:hohe Zunahme von kardialen Zwischenfällen und Todesfällen im Externen Bereich Lombardei: eine deutliche Übersterblichkeit außerhalb von Covid19
Beispiele aus der Influenzawelle 17/18 zeigen, dass eine stattgefundene Impfung die Mortalität um 36% reduziert Prof. Laufs will mit mehreren internationalen Studien beweisen, dass eine MNM keinen wesentlichen Schutzeffekt für den Träger bringt. Vergleicht man MNM mit einer FFP2, so ist auch hier kein wesentlicher Unterschied zu sehen. Der Schutz der Kontaktperson dürfte aber eintreten. Auch im Covid-Erkrankungsfall darf man cardiale Akuterkrankungen wie einen MCI nicht übersehen, was aber passiert. Weiters verweist er auf die stressinduzierte Kardiomyopathie, die auftreten kann.
Auch die Ärzte in D sehen zu 53% eine Unterversorgung von Nicht Covid-Fällen Man muss mittelfristig befürchten, dass die Nichtdiagnostik kardialer Akuterkrankunen zu Dauerschäden in Form von Herzinsuffizienz führen wird. Er befürchtet eine erst später festzustellende Übersterblichkeit.

Allgemeinmedizin-Prof.Gesenhues Essen
ER verweist auf die in seiner Region früh erfolgte Änderung der Organisationsstruktur von Praxen, wo man durch eigene Fieberordinationen oder Fieberstunden in einer Praxis versuchte die Patientenströme zu trennen, ohne die Versorgung der Nicht-Covid Patienten herunterzufahren.
Denn funktionierende Praxen stellen eine Barrierefunktion dar, um die Überlastung von Spitälern zu verhindern!
Leidtragende Patientengruppen wegen Unterversorgung:
• Angehörige von Risikogruppen • Adipöse Patienten • Keine Impftermine
• Kinderwohlüberprüfung fehlte • Alleinstehende geriatrische Patienten unterversorgt • Schmerzpatienten • Tumorpatienten • Behindertenbetreuung wie Macoumarpatienten, • Fehlende Abklärung von Akutfällen im Spital • Postoperative Reha Versorgung fehlte • Psychische Angst und Depressionen nicht rechtzeitig diagnostiziert • Zunahme von Alkohol und Drogenproblemen
Gesundheitsberufe:
Sinkende Frequenz in Ordinationen um 30-40%, damit verbunden wirtschaftliche Probleme
Notwendige flankierende Maßnahmen und lessons learned:
• Organisationsformen ändern auf neue Bedürfnisse, die auch mittelfristig notwendig • Bevorratung von Schutzkleidung • Erfassen der kommenden Spätkomplikationen =Kollateralschäden

3; Orthopädie/Unfallchirurgie Prof. Günther Dresden
Verweist auf eine Umfrage international in 4 Ländern bei Patienten 24% keine Arzttermine 9% Unterbrechung einer Behandlung 42% Absage oder Verschiebung elektiver Operationen
Bei Patienten in D:
Mangelnde OP-Kapazität über Wochen zB Hüft-OP weniger stationäre Betten und kritisch verkürzte Verweildauer Reduzierte Ambulanzen dadurch Übersehen oder verschleppte Erkrankungen limitierte Postos. Nachsorge
Reduzierte Reha und Physiotherapie ausgesetzte Begutachtungen=verspätete Leistungen

Bei Personal: Auftreten von Erkrankungen durch Mangel an Schutzkleidung Ökonomische Folgen für Spitäler Brachliegen in Fort Weiterbildung und Forschung

Praktisches Beispiel: während 2019 etwa 25-30000 Endoprothesen pro Monat März/April 20 null
Im niedergelassenen Bereich erfolgten etwa 70% weniger elektive Operationen=wirtschaftliche Auswirkungen 60% der Ärzte sehen einen massiven wirtschaftlichen Schaden 25% haben eine existenzbedrohende Situation
To do:
• Neue Organisationsstrukturen in Spitälern sowohl stationär als auch ambulant • Alle Patienten bei Erst kontakt dzt mit PCR getestet • Davon abgeleitet dann spezielle Ablaufstrukturen

4; Neurologie Prof. Grond Siegen
Bei der Aufnahme der meist Akutpatienten in der Neuro erhalten alle einen PCR.
Er relativiert die Häufigkeit spezieller Neurolog.Komplikationen in Covid19 Die meisten berichteten sind Paraphänomene wie auch bei anderen viralen Erkrankungen.
Hinsichtlich der Dauertherapie MS soll diese vorerst unbedingt weiterlaufen und vom Neurologen der Einzelfall auf Fortsetzung geprüft werden. Nicht allein absetzen.
Kollateralschäden in Neurologie:
• Viele TIA´s nicht diagnostiziert, damit erhöht sich das Risiko auf einen späteren Schlaganfall • Auch Insulte damit fallweise übersehen • Fehlende Dauermedikation und deren Fortsetzung zB bei Epilepsie mit Dekompensation • Keine wichtige Frührehabilitation bei stat. Patienten und deren längerer Verweildauer muss sehr genau auf das mögliche Einschleppen von covid19 geachtet werden. Die normale Inzidenz für Angststörungen, Depressionen und Insomnie liegt bei 30% und erhöht sich im rahmen der Pandemie.

Psychiatrie Prof.Braus: auch die psychosoziale Trennung wirkt sich verschlechternd aus. Kinder und Familien sind besonders zu beachten, da die Pandemie mit ihren Einschränkungen einen störenden Einfluss auf die Hirnentwicklung bei Kindern haben kann. Menschen mit psych. Störungen und Vulnerabilität für psych. Störungen sind nun anfälliger. Psychotische Störungen werden exazerbieren. Der Verlust von Existenzen erhöht Drogen und Alkoholerkrankungen und die Suizidalität eine Studie aus 2002 in der USA zeigt dies und damit verbunden auch eine Erhöhung der Mortalität allgemein. Daher muss in den nächsten 5-10 Folgejahren genau auf diese Entwicklungen geachtet werden, um gegensteuern zu können To do: • Prävention und Früherfassung • Schulung und Supervision der Gesundheitsberufe • Änderung der Versorgungsstrukturen • Schaffung mobiler Eingreifgruppen • Einrichtung von Hotlines mit einem psychotherapeutischen Hintergrund

Prof.Dr.Hubert Hrabcik

Covid-19 Konferenz 11.4.2020: Zusammenfassung eines internationalen Webinars mit 7 Speakern aus 3 Kontinenten

Prof.Hrabcik

 CovidConferenz 11.4.2020 international Zusammenfassung 

eines heutigen Webinar mit Speakern aus 3 Kontinenten 

Prof.Fengming Luo Sichuan University wurde zur Unterstützung mit 42 Ärzten und Schwestern nach Wuhan eingeflogen Er berichtete, dass es etwa 1 Woche dauerte, bis eine genaue Diagnose mit Identifizierung des neuen Covid19 Virus feststand Derzeit geringe Zuwachsraten in China, zum Großteil von einreisenden Chinesen, die aus dem Ausland kommen und sehr genau kontrolliert. Die damals nach Epidemie sei deswegen nicht in andere Millionenstädte weitergegangen, weil relativ rasch sowohl die Provinz als auch die Stadt Wuhan streng abgeriegelt wurde und in der Stadt eine strenge Quarantäne erfolgte. Heimquarantäne hieß, dass man das Wohnhaus nicht verlassen durfte und wenn, nur unter Kontrolle. Für ihn war auch die Auskultation mit einem verstärkten Stethoskop wichtig, da hier klassische Befunde. Nicht bei allen konnte ja ein CT gemacht werden. Lehren: Die strenge Quarantäne, die Abschottung der Region und auch die Verstärkung mit Personal brachten ein rasches Absinken der Neuinfektionen. Und auch der Lockdown der Infrastruktur 

Prof. Windisch-Pasteur Institut Korea Berichtete, dass sehr früh ein strenges Regime aufgezogen wurde, bestehend aus 

  • • Umfangreiche Tests mit contact Tracing und Strenger Quarantäne für pos. und deren Kontaktpersonen. Zugang zu Tests ist auch frei zT mit Drive in dabei strenge Identifikation mit Registrierung SMS an alle über Infektionsschwerpunkte 
  • • Schließung der Schulen und Universitäten, Verbot jedwede größere Veranstaltung 
  • • Maskenträgen-jeder Bürger erhält pro Woche 2 Masken, zahlt dafür 5€ 
  • • Social distancing mit 5m 

Damit kein Lock down notwendig und rel. rasch wurde die Infektionskurve sehr flach 

Bezüglich Antikörpertests liegen derzeit noch keine verlässlichen vor! Dass alles so rasch realisiert werden konnte, ist auf die Vorbereitungen im Land als Reaktion auf die MERS-Pandemie zurückzuführen. Bezüglich der jetzt angeblich 49 Re-Infektionen liegen noch keine Ergebnisse vor. Möglicherweise haben fehlerhafte PCR dabei zu früh negative Ergebnisse gebracht. (die Sensitivität des PCR liegt ja nur bei 70% und auch die richtige Abnahme Technik ist wichtig) 

  • • Lehren: 
  • Personenidentifikation 
  • Isolieren und Quarantäne der Pos und Kotaktpersonen mit Tracing 
  • Schutzmasken für jeden 

Damit konnte auch ohne totalem lock down eine flache Infektionskurve erzielt werden 


NY Lenox Hospital, Dr.Nicholas Skipitaris-Kardiologe :
Wieso so eine extreme Eskalation bes.in NY auftrat? Verkehrsknotenpunkt, 95% der Infektionen nach Typing aus Europa durch einreisende und zögerliche Maßnahmen, die zu spät kamen, In bestimmten Regionen Überalterung und schlechte soziale Lebensbedingungen, bis dato keine genetische Prädisposition von Afroamerikanern Bis dato keine speziellen kardiologischen Komplikationen. Um Platz im Spital zu bekommen, wurde bei vielen Patienten zwecks Entlassung eine Überwachung mit implantierten Devices.Wegen der stattgefundenen Diskussion wird zwar eine laufende Hypertonietherapie mit ACE-Hemmern weitergeführt, aber derzeit keine Neueinstellung mit ACE-Hemmern begonnen( eher Angst vor Klagen) alle stat. Covid-Pat werden automatisch antikoaguliert. Glaubt, dass der Lockdown noch einige Wochen notwendig.


München Klinikum rechts d.Isar, Doz.Dr. Christoph Spinner-Infektiologe: Im Moment noch ausreichende Kapazität, auch auf den ICU´s Derzeit läuft eine Seroprävalenzstudie, die Ende April abgeschlossen Die CFR sei deswegen niedrig, weil man ausreichend Zeit hatte, sich auf die Situation vorzubereiten. Bezüglich einer möglichen Transmission über Aerosol verweist er auf eine jüngst publizierte Arbeit, wo bei Frettchen eine Aerosolübertragung als möglich nachgewiesen wurde. Die Diskussion darüber sei noch offen. Bezüglich serolog. Antikörpertests und deren Spezifität stellt sich heraus, dass das IgA nur kurzzeitig erhöht, länger bleibt das IgM erhöht. Bezüglich Kreuz Reaktivität fehlen noch valide Daten, hier laufen Untersuchungen.

 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof.Alexander Kekule Virologe:
Der länderweise sehr unterschiedliche Verlauf ist nicht auf varierende Subtypen oder größere drifts/shifts zurückzuführen Ein etwas früherer Start von Maßnahmen wäre in D hilfreich gewesen Wann man die Einschränkungen wieder lockern könne?
• Wenn die Neuinfektionen so abgesunken, dass es möglich ist, in jedem Fall ein Tracing back durchzuführen und damit Cluster zu isolieren • Daher maximal und ohne Einschränkungen testen • Zuerst mit Jüngeren im Ausstieg beginnen, weil damit die Belastung der ICU´s nicht so groß.
Bezüglich des Zytokinsturms verweist er darauf, dass dieser altersunabhängig auftrete und somit auch jüngere treffen können: Erste Erfahrungen mit Redemsivir zeigen, dass dessen Einsatz eher nur in der Früh Phase wirkungsvoll, nicht als Ultima Ratio. bezüglich Vakzine seiht er 2 grundsätzliche Wege
-mit einem Virusprotein (klassischer Weg) und auch größere Sicherheit – mit RNA Molekülen, aber technisch schwieriger und langwieriger


Beim Coronavirus ist kein „optimaler“ Impfstoff notwendig, selbst eine 2/3 Effizienz würde noch ausreichend Schutz bieten und wir haben den Vorteil, dass beim Coronavirus eher langsam drifts oder allfällige seltenere shifts auftreten. Trotzdem könnte ein jährlich adaptierter Impfstoff notwendig sein. Die Weiterentwicklung werde sich nun im beginnenden Winterhalbjahr der südlichen Hemisphäre zeigen.
Gute Erfolge gäbe es mit dem Einsatz von Plasma, aber ein frühzeitiger Einsatz sei sinnvoll. Bald werde es ein Therapiepackage als Empfehlung für die ICU´s geben.


Italienisches Epizentrum, Prof.Patrick Welte Pneumologe:
Zur aktuellen Situation meint er, dass sich derzeit der Zu und Abgang in den ICU´s die Waage hält. Er glaubt, dass man in 2-3 Wochen langsam und schrittweise mit dem Lockdown zurückgehen kann.
Wieso ist die Situation in Italien viel dramatischer: * ein höherer Altersdurchschnitt * in Nord-Italien besonders viele Pendler und auch Chinesen * zu spätes Einsetzen der notwendigen Maßnahmen und schlechte Zielsteuerung, damit Import der Covidfälle direkt in Spitäler und Altersheime


Indien: Prof. Davasayaham Christopher Pulmologe; Dr. Om Shrivastav Immunologe:
Man habe in Indien streng die Reisebewegungen beachtet. Bei Verdacht oder positive Tests erfolgte sofort ein strenge Quarantäne und Containment mit Contact Tracing: Noch mehr Tests seien notwendig. Er glaube, dass auch die Oberflächenkontamination eine größere Rolle spiele, weil man einige Fälle ohne Reise oder Kontakt zu Erkrankten gefunden habe.
Gesundheitspersonal trage jetzt generell eine Schutzmaske und bei definierten Tätigkeiten eine FFP2 Maske. Hydroxychloroqin wurde in vielen Fällen gut vertragen aber frühzeitiger Einsatz günstiger. Die Verwendung von Plasma sei in Überlegung. In den Lungen basal zeigen sich viele Mikrothromben oder Embolien.

Prof.Dr.Hubert Hrabcik Ordination: 1080 Wien, Josefstädterstrasse 3 Tel 0664 1919197 Fax: 0720115190