Message Control Covid 19

Prof.Hrabcik

Liest man Zeitungen, sieht man Nachrichten im Fernsehen, so „lachen“ einem stets die Gesichter von Politikern, nicht aber von Fachleuten entgegen. Der Innenminister mit der Polizei, Der Bundeskanzler und der Gesundheitsminister „bekämpfen“ das Corona Virus.

So nebenbei und auf Initiative der Medien dürfen dann und wann auch Experten, die wirklich etwas von der Situation verstehen, auch ihre Meinung kundtun.

Der Gesundheitsminister hat immerhin gemerkt, dass in seinem Haus ein leitender Arzt, wie es das in jedem Entwicklungsland und sonst wo auf der Welt gibt, fehlt. Seine Vorgängerin Hartinger-Klein hielt es für unnötig, in einem Gesundheitsministerium so eine Position zu haben. weg damit. Schaut man sich die Personalstruktur des Gesundheitsministeriums an, gibt es alle möglichen Berufe und Qualifikationen, oder kaum einen Mediziner. Zu traurig, um wahr zu sein.

Und noch etwas fällt auf. Die AUVA zum Beispiel reduziert ihren Routine-Operationsbetrieb wegen Materialmangel. Hier rächt sich nun exemplarisch das Wüten von Gesundheitsökonomen und sogenannten Experten. Vorräte brauchen wir keine. Es wird ja alles ohnedies geliefert. Und vor allem aus Billiglohnländern. Und mit langen Transportwegen von Übersee. Dass das in Krisenzeiten nicht funktionieren kann, ist klar. Noch dazu, wo meist in den Billiglohnländern das vorhandene Gesundheitssystem schlecht und damit die Bewältigung einer Krise kaum möglich.

Medizinisches Verbrauchsmaterial wird langsam zur Mangelware. Und es geht nicht nur um das Corona Virus und die gestartete Pandemie, die aus Gründen der politischen Message Control so nicht heißen darf. Eben hat Italien für große Bereiche eine Quarantäne angeordnet, wovon 16 Millionen betroffen. Hören wir auf, uns zu belügen und nennen wir das Kind beim Namen

PANDEMIE ERFORDERT AUßERGEWÖHNLICHE MASSNAHMEN

Wir haben eine Pandemie. Das bedeutet nun keineswegs, in Hysterie zu verfallen, den Kopf in den Sand zu stecken und zu resignieren. Aber wir müssen unserer Bevölkerung sagen, dass:

-wir derzeit noch keine wirksamen Medikamente zur Bekämpfung des Virus haben

-die Übertragung von Mensch zu Mensch durch enge soziale Kontakte erfolgt

-derzeit vor allem die über 50Jährigen, die auch noch andere Begleiterkrankungen haben, mehr gefährdet sind

-es derzeit klug ist, alle Veranstaltungen, wo Menschen zusammenkommen und engen Kontakt haben, gemieden werden sollen

-die aktive Mitarbeit jedes einzelnen, so er entweder sich in einem bekannten Krisengebiet aufhielt oder Kontakt zu bereits als mit Covid19 infizierten bekannten Menschen hatte, sich zu melden und abklären zu lassen, ob auch bei ihm eine Infektion vorliegt. Nicht weil es für jeden zu gefährlich ist- derzeit nur für 13%- sondern vor allem auch um nicht als Überträger weitere anzustecken.

-wir müssen daher unseren gewohnten Lebensstil etwas ändern, größere soziale Distanz halten und Selbstdisziplin. Diese selbst gewählte und zum Teil angeordnete Quarantäne zahlt sich aus, wie nun ein vor weniges Tagen publizierter WHO Bericht über die Situation in China zeigt. Dort haben die uns rigoros erscheinenden Maßnahmen durchaus ein Absinken der Zahl der Neuerkrankungen gezeigt. Hier ist das Gesundheitsministerium gefordert, ähnliche Schritte zu setzen. Italien zeigt uns einen Weg vor, der dort leider bei einer wesentlich schlechteren Ausgangslage nun notwendig. Oder die Schweiz.

-wir damit rechnen müssen, dass im Heurigen Jahr die Covid19-Pandemie auch wirtschaftliche Folgen im Sinn einer Senkung des BIP haben wird. Hier ist nun die Regierung gefordert, neben Schönfärberei auch Taten zu setzen. Als vor mehr als einem Jahrzehnt die Vogelgrippe in Asien wütete, kam es dort in einigen Ländern zu einem Absinken des BIP um1-2%.

Der wesentliche Unterschied zur letzten Influenza-Pandemie ist, dass wir derzeit noch keine antivirale Therapie haben und auch keinen Impfstoff. Und es wird noch Monate dauern, bis es eventuell Lösungen in diese Richtung gibt.

Das Gesundheitspersonal aller Richtungen und Qualifikationen ist in seiner täglichen Arbeit, besonders exponiert, entsprechend zu schützen (Schutzanzüge, Handschuhe, Desinfektionsmittel) und von allem unnötigen administrativen Ballast zu befreien. Berichte aus Italien zeigen, dass dort dieser Schutz nicht ideal gewesen sein muss, weil eine hohe Zahl an HCW auch erkrankt ist.

Ein dringendes Maßnahmenpaket ist zu erstellen und umzusetzen:

  • Erhöhung der Laborkapazität, um möglichst rasch Betroffenen Gewissheit zu geben, ob erkrankt oder nicht
  • Sicherstellung einer qualifizierten und sicheren Heimquarantäne und Versorgungssicherheit für Betroffene (Lebensmittel etc.)
  • Absicherung der Produktion und Versorgung mit medizinischen Verbrauchsgütern und Medikamenten
  • Abschluss von Rahmenverträgen für einen allfälligen Impfstoff
  • Aussetzen von Großveranstaltungen für einen Monat.
  • Ernennung eines medizinischen Krisenkoordinators beigegeben dem Gesundheitsminister
  • Aktivierung des Obersten Sanitätsrates, der ja das höchste Beratungsorgans des Gesundheitsministers- bis dato haben wir nichts davon gehört
  • Abstimmung und Angleichung der sanitätsbehördlichen Maßnahmen in allen Bundesländern, die derzeit noch zu unterschiedlich verlaufen
  • Temporäre Einreisebestimmungen für Menschen, die aus stark betroffenen Ländern kommen

Denn noch können wir die Anstiegskurve der Neuerkrankungen flacher halten, ansteigen wird diese aber noch einige Wochen. Und vergessen wir nicht die zeitgleich ablaufende Influenza, die derzeit etwa 120000 Erkrankte in Österreich betrifft und mit ähnlichen Symptomen manchmal nicht leicht zu unterscheiden ist.

Unser Gesundheitswesen kann nun den Wahrheitsbeweis antreten, dass wir mit dieser Krise umgehen können. Keine Wunder versprechen, aber dem Einzelnen durchaus das Gefühl geben, dass Er/Sie nicht in Stich gelassen wird. Und unsere Politiker sind gut beraten, in den Hintergrund zu treten, die medizinischen Experten planen, entscheiden und arbeiten zu lassen und nur bei Bedarf zu unterstützen. Das ständige Eingreifen in das Tagesgeschehen stört nämlich.

Erst nach Ablauf dieser durchaus ernsten Krisenlage ist dann die Zeit gekommen, zu analysieren und bei einem nächsten Mal, wozu es immer kommt, noch besser vorbereitet zu sein.

Dann sind Fragen zu beantworten wie:

  • Wieso wurden die Pandemiepläne über 15 Jahre nicht upgedatet
  • Krisenbevorratung?
  • Personalplanung und Reservenbildung oder Ökonomie

Zutun wird dann genug sein.

Prof.Dr.Hubert Hrabcik

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